Sonntag, 29.5.05 - 1 Beginn

Trist, neblig und grau. So hat sich Laura Deutschland vorgestellt. Auf der Fahrt vom Flughafen Hannover nach Bergen kommt die 25-jährige Spanierin aus dem Staunen nicht heraus. Das üppige Grün, die weite Landschaft, die idyllischen Ortschaften - alles registriert sie aufmerksam und mit Begeisterung. „Warum kommt ihr Deutschen eigentlich nach Mallorca?”, will sie wissen. Laura studiert Grafik-Design an der Fachhochschule Blau in Palma. Ein roter Transporter der Stadt Bergen bringt sie, ihre vier Kommilitonen und eine Betreuerin zum Reiterhof Bleckmar. Dort sind alle Teilnehmer der Anne-Frank-Friedenstage 2005 untergebracht. Die anderen sind schon da. Bis auf zwei Schülerinnen aus dem benachbarten Hermannsburg haben alle einen weiten Weg zurückgelegt, rund 650 Kilometer die Gruppen aus Srem und Szubin, etwa 900 Kilometer die Gruppe aus Roznov pod Radhostem. Bei brütender Hitze sind sie mit Kleinbussen angereist. Zur Begrüßung wird gegrillt. Jede Gruppe sitzt für sich, Wärme spendet das heimische Nest. 23 junge Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Vertreter einer Generation, die nie einen Krieg erlebt hat; die in wenigen Jahren die Geschicke Europas möglicherweise leiten wird, sie in jedem Fall aber mitzutragen hat. Ausgerechnet an diesem Abend lehnen die Franzosen in einer Volksbefragung den europäischen Verfassungsvertrag ab.