Intermezzo 2 - Gespräch über die Vergangenheit



Wie ist es Euch in der KZ-Gedenkstätte ergangen?

Mariusz (Srem): Ich kannte das schon aus den Geschichtsbüchern. Aber der Film vermittelt mehr von der Wirklichkeit. Deshalb war es wichtig, ihn zu sehen.

Esteve (Mallorca): Ich empfand den Film eher als gewöhnlich. Dagegen hatte ich das Gefühl, draußen auf dem Gelände mit der Geschichte in Kontakt zu sein.

Malgorzata (Szubin): Ich habe bereits solche Bilder gesehen. Und ich frage mich jedes Mal, was in solchen Menschen vorgeht, was sie fühlen?

Damià (Mallorca): Ich glaube, dass darauf niemand eine Antwort hat. Aber wichtig ist nicht nur das Was, sondern auch das Wie. Der Code der Nazis, die roten Fahnen, die Hakenkreuze und Uniformen, die nächtlichen Aufmärsche, all das hat viele Leute dazu gebracht, mitzumachen. Hätte Hitler mit leiser Stimme und in Zivilkleidung seine Reden gehalten, wären ihm nur wenige Menschen gefolgt.

Miriam (Hermannsburg): Andererseits sieht man schon in der Schule, wie leicht man zum Außenseiter werden kann. Erst wird man ausgelacht, und auf einmal entsteht dabei Hass.

Esteve (Mallorca): Wenn jemand die Macht hat, gibt es immer viele andere, die sich auf seine Seite schlagen, weil es ihnen nützlich ist. Das ist überall so.

Katerina (Roznov pod Radhostem): Die Menschen sind aber Hitler auch gefolgt, weil es viel Armut und Arbeitslosigkeit gab. Das wäre heute anders, weil die Subventionen der Europäischen Union eine richtige Armut verhindern.

Damià (Mallorca): Was mich beim Besuch der Gedenkstätte gestört hat, waren die ständigen Schüsse auf dem Truppenübungsplatz. Die Gedenkstätte ist ein Ort der Ruhe, man sollte den Frieden dort respektieren.

Patryck (Srem): Auf der anderen Seite halfen diese Geräusche, dass man sich das alles besser vorstellen konnte, weil es echter wirkte.

Malgorzata (Szubin): Ich finde es nicht sehr angemessen, neben einer KZ-Gedenkstätte Schießübungen zu machen.

Esteve (Mallorca): Ich bin grundsätzlich gegen Militär. Soldaten sind Marionetten, die Befehle ausführen. Ihre Gefühle lassen sie dabei außen vor. Das ist gefährlich.

Damià (Mallorca): Ich glaube, dass das Militär notwendig ist, weil es keine gemeinsame Ethik gibt. Wenn das Gleichgewicht der Kräfte gestört ist, braucht man jedoch eine gemeinsame Ethik. Gibt es sie nicht, braucht man viel Empathie, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Da es weder das eine noch das andere gibt, ist das Militär notwendig.

Zurück in die Gegenwart
Wieder heißt es, gemeinsam anzupacken. Die letzten Drucke müssen gemacht werden, während die ersten Skulpturen aufgestellt werden. Mitarbeiter vom Bauhof transportieren die ersten Holzblöcke zu dem Rasenstück zwischen Rathaus und Standesamt und helfen beim Aufstellen der Stelen. Auch sie sind von der Begeisterung angesteckt. Und dann stehen sie, die Totempfähle, Symbol für das Archaische. Als nächstes geht es zu dem kleinen Hügel vor der evangelischen Kirche. Eine Gruppe hängt die Drucke auf, eine andere hilft beim Aufbau der Pyramide, Sinnbild für Hierarchien, denen eine kleine Führungselite und zahlreiche Gefährten zu eigen sind und die durch geistige Unfreiheit geprägt sind. Bis in die Nacht dauert die Montage, die am frühen Samstagmorgen beendet wird. Ohne zu zögern, erklären sich die Mitarbeiter des Bauhofes zu Überstunden bereit. Am Abend trifft Besuch von den Balearen ein, Kultusminister Francesc Fiol ist gekommen. "Dass Studenten und ein Künstler von Mallorca an diesem Projekt teilnehmen, war für mich Grund genug, die Einladung der Stadt Bergen und der Konrad-Adenauer-Stiftung zur Vernis-sage anzunehmen", sagt er. Noch vor Mitternacht kehrt Ruhe über Bergen ein. Feuerpause im Sperrgebiet. Das Wochen-ende hat begonnen.