Das Projekt

"Ich sehe, wie die Welt langsam mehr und mehr in eine Wüste verwandelt wird, ich höre immer stärker den anrollenden Donner, der auch uns töten wird, ich fühle das Leid von Millionen von Menschen mit, und doch, wenn ich nach dem Himmel sehe, dann denke ich, dass sich alles wieder zum Guten wenden wird, dass auch diese Härte ein Ende haben muss und wieder Friede und Ruhe die Weltordnung beherrschen werden." Anne Frank

Wir sind in Bergen. An einem Ort, der Teil dunkelster deutscher Geschichte und katastrophaler europäischer Vergangenheit ist. In einem der Massengräber des Konzentrationslagers Bergen-Belsen liegen die sterblichen Überreste Anne Franks, die durch ihr Tagebuch zum Symbol der Opfer von Rassismus, Antise-mitismus und Faschismus wurde. Der 12. Juni war ihr Geburtstag. Seit dem Jahr 2000 kommen um diesen Tag herum alljährlich junge Menschen aus verschiedenen Ländern zu den Anne-Frank-Friedenstagen in Bergen zusammen. Eine Woche lang beschäftigen sie sich mit dem Vermächtnis Anne Franks: ein friedliches Zusammenleben. Den Krieg und die Nachkriegszeit kennen diese jungen Leute nur aus Erzählungen, Filmen und Büchern. Bald werden sie vor der gewaltigen Aufgabe stehen, das fortzuführen, was die Generationen ihrer Eltern und Großeltern begonnen haben: ein vereintes Europa. In diesem Jahr sind es 23 junge Menschen aus Hermannsburg (Deutschland), Srem und Szubin (Polen), Mallorca (Spanien) und Roznov pod Radhostem (Tschechische Republik), die an dem Workshop "Europa kennen lernen und gestalten" teilnehmen.

Das Konzept hat der Künstler Herbert W. H. Hundrich entwickelt. Unter seiner Leitung bearbeiten die Teilnehmer Holzblöcke, etwa 1,20 Meter groß, mit einem Durchmesser von 60 bis 70 Zentimetern. Die Blöcke werden am Ende zu drei Gesamtskulpturen zusammengefügt. Holzdrucke auf Reispapier dokumentieren jede Schaffensphase. Die Skulpturen bleiben in Bergen, die Drucke werden in den Städten der Teilnehmer und zu-letzt im Landtag von Niedersachsen ausgestellt. Danach erhält jeder Teilnehmer einen Druck, ebenso die Sponsoren. Die übrigen Arbeiten verbleiben im Besitz der Stadt Bergen. Mit auf Reisen gehen zwei Bücher. Sie enthalten einen Abdruck von jeder Einzelskulptur, die Unterschrift der Teilnehmer, am Ende der Tour auch das Amtssiegel der Bürgermeister der Ausstellungsorte. Eines dieser Bücher geht an den Anne Frank-Fonds in Basel, das andere an die Gedenkstätte in Bergen-Belsen.